Review: COR – Seit ich die Menschen kenne liebe ich die Tiere

Gepostet als Aktuelles,Bands,CD-Reviews am Montag 2 März 2009 um 19:49


Neues von der Insel. Unter dem hauseigenen Label Ruegencore Records veröffentlichen COR den Prekariat-Nachfolger. Diesen Freitag wird die CD offiziell erscheinen, aber die Jungs waren so nett uns vorher schon Mal reinhören zu lassen, damit ihr wisst was auf euch da zukommt. COR steht musikalisch für kompromisslose Härte und bieten lyrisch nicht nur geballte Wut, sonder einen sehr großen Tiefgang. Was sich jedoch im Vergleich zu den Vorgängerwerken geändert hat und was sie noch immer durchziehen, könnt ihr hier lesen.Der Einstiegssong “Antipop” geht gleich brutal nach vorne. Gitarrengeschramme, keine Schnörkel und kurze Wortfetzen im Refrain starten in einem Irrsinnstempo durch und machen direkt klar, dass hier immernoch ein brutaler Mix aus Hardcore, Punk und Metal durch die Boxen dröhnt. Insgesamt kein Highlight, aber ein krasser Einstieg.

Bei Song 2 “DIY”  bleibt wohl auch erstmal nur der Gedanke “Typisch Cor”, aber diese knapp 60 Sekunden, die das Stück dauert, vermitteln eine derartig wuchtige Aussage, die kein Erdenbewohner missverstehen kann. Hier fällt so langsam auf in welche Richtung das Ganze geht. Schrille Metal-Riffs und Gitarrensoli kehren ein und geben dem ohnehin hohen Arschtrittfaktor der Rügener einen Auftrieb.

Musikalisch und textlich anspruchsvoller wird “Echo”. Der Refrain “Du atmest Hass ein, Du lebst Hass aus”  ist sehr prägnant, aber die Strophen bieten eine unwiederlegbare Sammlung von Thesen über die Entstehung von Hass und Gewalt. Mit 5 Minuten ist dieses Lied für COR-Verhältnisse schon eine halbe Ewigkeit, aber die wahrgenommene neue Vielfalt, macht das Stück gewohnt kurzweilig.

Weiter in dieser Manier geht es mit “Das Tier”, dem Titelsong zum Album. 5:40min lang packen sie hier noch einiges drauf und die metallischen Einflüsse stechen immer mehr hervor. Zwar ist dies kein Partyhit, aber textlich ist es sehr stark und beißt tief ins soziale Gewissen.

Kurzer eindeutiger Text, knallige kurze Riffs – typisch Cor gehts mit “Trashrock Terror” voran und die Kernaussage “Trashrock Terror, dem Mainstream ein Kontra!” trifft es auf den Punkt.  Auch hier kommen die Metaller in den Jungs wieder hervor, das Schlagzeug kommt knüppeldick und die E-Gitarre schrillt, wie man es aus der Hardcore-Ecke sonst nicht gewohnt ist.

“Ein ganz normale Tag” kommt im eher gemäßigten Rockgewand daher – hier steht der Text im Vordergrund. Thematisch erinnert es an “Kleiner Mann was nun” vom Vorgänger-Album, aber die hier erzählte Geschichte kritisiert das der Mensch zum Kapital degradiert wurde. Zum Ende noch ein Gittarensolo et voila – ein weiterer eindringender Song.

So auf gehts, nächster Song. Aber Moment… ein Blick auf die Playlist – das ist COR?! Es steigen Trompeten ein, die E-Gitarre zupft einen lässigen Ska-Beat und Friedemann singt in Jamaika-Manier. Das ist doch mal was. Die Jungs versuchen sich hier auf neue Terrain und das sehr solide. Bei dem Sound träumt man sich in ein Cabrio und cruist gedanklich im nächsten Sommer – ein echter Hit! Auch wenn sich in der musikalischen Lockerheit, ein tiefgängiger sozialkritischer Text befindet. “Wer hat das Geld?” – wir wissen es nicht, aber das hier ist ein echtes Highlight.

2. Halbzeit – Song 8 von 13 “Engel” bewegt sich wieder auf rockigem Terrain. Der Text dringt tief ein, und bringt dem bewussten Zuhörer ordentliche Gewissensbisse; macht insgesamt nachdenklich und rüttelt zwischendurch durch harte Riffs und ein treibendes Schlagzeug immer wieder auf. Auch hier wieder neue Einflüsse: Friedemann mit klarem Gesang und Frauenchor im Hintergrund – wirkt keinesfalls kitschig, es unterstreicht nur das Statement auf eine eindringliche Art und Weise.

Klassischer Rügencore erklingt bei “Sünde” mit dem zentralen Statement “Die einzige Sünde ist Feigheit”, musikalisch hart und kräftig begleitet, gibt es wieder einen ordentlichen Arschtritt nach dem ruhigeren Part des Albums.

Eine Rock’n Roll Hymne seinesgleichen kommt nun mit “Gott”. Eine Hymne auf DIE Legende des Rocks – Lemmy ‘Die Warze’ Kilmister, Sänger von Motörhead. Diese englische Größe prägt seit den 70ern die Rockszene und ist Idol für fast alle Generationen dieses Genres. “Viel zu laut, viel zu hässlich, viel zu dreckig, unvergesslich schön” das trifft es auf den Punkt. Musikalisch ist dieses Stück einsame Spitze! Extrem groovige Riffs und die letzten 2 Minuten sind ein musikalisches Zitat auf Motörhead mit diversen Instrumentalparts. Das rockt! Dreckig, laut und geil.

Freiheit geht mit bluesigen Rock und einer weiblichen Begleitung weiter. Der extreme groovige Beat und der klare Gesang auch von Friedemann macht das Stück zu einem echten Ohrwurm. Hier passt einfach vieles zusammen und diese Ode an die Freiheit, ist wieder ein stilistischer Ausreißer vom üblichen Cor-Style, der sich als positiver Überraschung herausstellt.

Schleppend Rockig beginnt das vorletzte Stück “In Beton” mit zunächst gewohnt rockigem Sound. Der Text ist extrem zynisch, eben Cor. Aber auch hier wieder stilistische Ausbrüche, auch wenn nur kurz. Es hat sich ein kurzer Jazz-Part eingeschlichen, das aber gekonnt dezent und es passt wieder einfach mal.

Das Grande Finale macht “Geräusch”. Dieser Song wirkt wie ein Kompromiss von der neuen Ausrichtung und dem rauhen Streetrock-Sound. Auch hier versucht sich Friedemann wieder mit klarem Gesang, ohne dabei unsicher zu wirken. Es wirkt alles bis auf den letzten Ton abgeschliffen und überzeugt insgesamt. Im Song heißt es ” ich bin wieder auf der Jagd!” und das Zitat steht für sich.

Die Jungs sind auf der Jagd nach einem musikalischen Fortschritt, ohne ihre Wurzeln zu verstecken zu wollen. Sie bleiben ihrem Stil treu, scheuen aber nicht Neues zu probieren. Hier wird “Rügencore” neu definiert. Es wird vielfältiger, es wird eingängiger, aber es ist immer noch COR.

Glückwunsch für diese klasse Scheibe!

PS: AmEnde von Track 13 wartet ein Hidden Track auf euch,
aber *pssst* sonst ist er nicht mehr hidden ;)

Titel:

  1. Antipop
  2. D.I.Y.
  3. Echo
  4. Das Tier
  5. Trashrock Terror
  6. Ein ganz normaler Tag
  7. Geld
  8. Engel
  9. Sünde
  10. Gott
  11. Freiheit
  12. In Beton
  13. Geräusch

Länge: 48:58Min

Erhältlich bei Ruegencore Records (auch mit Hörproben) und den Händlern eures Vertrauens.

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