Connys Atomsmasher – Bericht & Fotos
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Das Connys Atomsmasher Festival fand auch dieses Jahr wieder in Großenhain hinterm “Conny Wessmann Haus” statt. Es trägt natürlich den Titel “Festival”, aber das gemütlicher Flair, die vielen Sitzecken, Lagerfeuer bei Nacht und nicht zuletzt, dass es in einem großen Hintergarten stattfand, ließ es eher wie eine Gartenfete mit Live-Beschallung erscheinen. Was hier allerdings den Unterschied zu einer kleinen Fete macht, sind Bands wie Dritte Wahl, Supernichts, The Crooks oder Guitar Gangsters. Keine Frage, für die Bands hatte es sich schon gelohnt dort hinzufahren, auch wenn die Location ganz gut in einer kleinen Sackgasse am Ortsrand versteckt ist. Aber moderner Techik sei dank, kam ich Freitag noch pünktlich an und konnte somit alles aufschnappen.
FREITAG 5.6.
Nach dem freundlichen Empfang am Einlass wurde erstmal das Gelände inspiziert. Ziemlich verwinkelt, recht viele Sofas und Sessel zum ausruhen, ein Bierwagen, 3 Essensstände und die Bühne. Sehr viele mehr gab es da nicht, aber für den Rahmen völlig ausreichend und es wirkte einfach familiär. Den Auftrag das Festival zu eröffnen hatten THE PAPARAZZI aus dem nahe gelegenen Dresden. Sie hatten das leidige Schicksal vor gerade einmal einer Hand voll Fans anzufangen. Dabei gaben sie sich aber keine Blöße und rockten ihren Gig konsequent durch. Der Sound hatte ordentlichen Garagenrock-Faktor, der seinen gewissen Charme birgt. Schade, dass so wenige sich das angehört haben vor der Bühne.
Ein wenig mehr los war dann bei den ACCELERATORS aus den Niederlanden. Angefangen haben sie als Band als jugendliche Rotzlöffel und haben sich weiterentwickelt zu erwachsenen Rotzlöffeln. Das hört man auch in ihrer Musik – schneller Hardcore orientierter Sound, der in der überschaubaren Runde vor der Bühne ganz gut ankam. Mittlerweile wurde es dunkel und es wurde kalt – arschkalt. Bei gefühlten -10° oder weniger enterten die LOST LYRICS die Bretter. Ihre Musik marschierte wieder in eine andere Richtung – der Sound wirkte locker und frisch und die einzelnen Songs kamen auch in lockerer punkiger Manier daher. Mit viel Spielwitz haben sie sich so trotz der eisigen Kälte in die Gunst der Zuhörer gespielt.
Nun wurde die Gesinnung etwas wärmer – zumindest auf der Bühne, denn die Smelly Caps traten als BILLICH PEOPLE auf, also im Stile der Village People. Sie schwankten irgendwo zwischen peinlich, genial und “boah ist das krank”. Lustig war es allemale und Punkversionen von Songs wie “YMCA”, “In The Navy” oder “Go West” klangen dann doch wesentlich besser als das Original und kam auch super an bei den Fröstelnden jenseits der Bühne. Wer dachte das Niveau wäre damit tief genug angesetzt, täuschte sich gegen Ende des Sets. Da wurde dann tatsächlich noch ein Modern Talkin – Cover gespielt. Die orignal Stimmhöhe wurde dabei zum Glück nicht erreicht und dann war es doch noch halbwegs erträglich gewesen. Insgesam ein super Gig mit hohem Unterhaltungswert.
Nach langem frieren und warten war es dann soweit – der große Headliner DRITTE WAHL betrat die Bühne und feurte ein Hitfeuerwerk ab. Vor der Bühne wurde es zum ersten mal etwas voller und die Leute gingen auch voll mit – sprich Pogo bis zum abwinken und es wurde auch stets mitgesungen. Von einem “Dä dä dä dä dä dä dä dä” bei Störung bis hin zu komplexeren Passagen wie bei “Und jetzt” zeigten sich alle textsicher. “Kleiner Planet”, “Tobias” und “Dritte Wahl” wurden wie eigentlich alle Songs tierisch abgefeiert.
Etwas verwunderlich war, dass “Zeit bleib stehen” – ein klassischer Rauswurf-Song – so zeitig gezündet wurde. Wollten die da etwa zeitig Schluss machen? Mitnichten – insgesamt zockten die Rostocker etwas mehr als 90 Minuten und gingen dabei auf viele Publikumswünsche ein. Die scheinten sich im gemütlichen Rahmen recht wohlzufühlen und feurten dann Songs wie “Betty Blue”, “Schlaflied” und sogar den Country-Song “Asphaltcowboy” raus. Das hört man auch nicht alle Tage und machte den Gig hier so besonders. Der Feierabend für Tag 1 wurde gegen 2.30 Uhr mit “Kein Wort” eingeläutet – viele fuhren direkt nach Hause, aber einige hielt es noch am Lagerfeuer und Bierstand.
SAMSTAG 6.6.
Tag 2 beginnt – nach der Frostpartie in der Nacht zuvor hoffte man eigentlich auf besseres Wetter, aber dann kommt es doch eben immer anders. Die Himmelsschleuße hat sich geöffnet und es regnete ohne Ende in Strömen. Man sagt zwar immer, dass es bei einem Open-Air eigentlich mindestens einmal regnen muss, aber das war dann etwas zu viel. Nun ja, den Bands und einigen Zuschauern war es egal und jeder suchte sich irgendwo einen Unterschlupf auf dem Gelände.
Los ging es mit der lokalen Band BONOBO-CREW - nunja, was soll mann dazu sagen. Es hat sicher seine Gründe, dass man von der Band bisher außerhalb von Großenhain noch nichts gehört hat und es wurde leider hier auch deutlich warum. Der Sound an sich wirkte sehr eintönig und stumpf und bis auf einige Ausnahmen waren die Texte auch nicht viel besser. Man sollte da sicher etwas Spaß verstehen, aber dieser ist eben vorbei wenn man in einem Song zum Totschlag gegen Emo und Hippies aufruft und der Basser hinterher noch sagt, wie geil sowas sei – da hörts dann definitiv auf.
Aber es ging Bergauf, auch wenn immernoch tröpfchenweise Wasser vom Himmel fiel. FRANCESCO nahmen die Bühne für ihren Auftritt in Beschlag und legten mit ihrem recht schnellen Punk los. Das ganze ging in Richtung Social Distortion und beim Gesang kamen hier und da auch Ansätze von amerikanischen Alternative/New Metal – Bands rüber. Klang auf jeden Fall interessant und der Gedanke an die Musik konnte, dabei jenigen ans Wetter ganz gut vertreiben. Frisch und rockig ging es mit CHEAP STUFF dann weiter. Ihr Mix aus Hardcore, Oi und schnellem Punk wirkte ebenfalls sehr geradlinig. Sie hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und machten auch gerne ein paar Scherzchen zwischen den Songs, was das Ganze gut auflockerte. Mit etwas Zeitverzug haben sie ihren letzten Song abgefeuert und den Platz geräumt…
…für THE KLEINS aus Duisburg. Das sieht man auch nicht häufig, dass ein Vater mit seinen Söhnen eine Band aus dem Boden hebt. Was dabei musikalisch rauskommt kann sich durchaus hören lassen, da mischen sich eben Erfahrung mit junger Experimentierfreudigkeit. Mittlerweile wurde es auch trockener und das zog dann natürlich Einige aus ihren Verstecken vor die Bühne. Insgesamt ein solider Gig, an dem es nichts großartig zu bemängeln gibt. Mit NONSTOP STEREO, der Band um Frank Ludes (Ex-Bash!), ging es nun weiter. Das Set konzentrierte sich natürlich auf die Songs ihres Debüt-Albums “Solides Grundrauschen”, welche textlich zwischen Tiefsinn, Ironie und Witz schwanken – also in etwa die Kerbe Chefdenker, aber eben doch sehr viel Eigenes. Der Auftritt verlief bis auf einen kleinen Textpatzer bei “Heldentot” reibungslos und am Ende spielten sie entgegen der Vorankündigung doch noch eine Zugabe (Betteln hilft doch eben immer).
Nun wurde es so langsam international auf der Bühne. Der Himmel hat sich mittlerweile verdunkelt und die Italiener THE CROOKS bereiteten sich vor. Es war nebenbei bemerkt immer witzig zu sehen wie nach jedem Gig alle vor der Bühne verschwanden – sich auf dem Gelände verteilten – und wenn der erste Ton erklang, begnügte man sich wieder zurück. Auf jeden Fall kam auch die Musik der Italiener sehr gut an und rockten in feinster Rock’n'Roll Manier in die Nacht. Nach den Rockern aus dem Süden waren nun die Gentlemen von der Insel an der Reihe. Die GUITAR GANGSTERS aus England und boten Old-School Punkrock vom feinsten. Lockere Melodien, teilweise echte Ohrwürmer und viel Spielwitz wurde da geboten. Man lies sich auch auf Scherze mit dem Publikum ein. Als es da Probleme mit dem Funkadapter für die Gitarre gab wurde direkt gesagt “Oh Made in Germany”, als es dann funktionierte gab man zu, dass das Teil doch englischer Produktion entsprang. Mit ihrer neuen Platte im Gepäck haben sie sich auf jeden Fall eine Menge Symphatien erspielt. Hope to see you next year guys!
Zwei Bands standen nun noch an und die Bühne kam jetzt wieder in deutsche Hand. SUPERNICHTS aus Köln hatten sich nun die Aufgabe gesetzt, das geistige Niveau etwas zu senken. Ihre Punk ist absolut unpolitisch und man konzentriert sich auf die kleinen skurilen Situationen im Alltag. Das merkt man schon an Songtiteln wie “Toyota”, “Ich will nicht so enden wie die ganzen Ramones” und “Du und deine scheiß FDP”. Da war schon sehr viel Ironie und Witz im Spiel, was natürlich sehr gut ankam, auch wenn sie ohne ihren eigentlichen Sänger auf der Bühne ware, der “In Kalifornien Fischgerichte zubereitet” – wie auch immer, es klappte auch ganz gut so und nach einer guten Stunde machten sie Platz für OFF WITH THEIR HEADS. Diese Band machte sich extra aus den USA auf den Weg ins beschauliche Großenhain in diesen Hintergarten. Der Sänger bemerkte auch zwischendurch “Man this is like a f***ing garden party”. Das schien sie aber kaum zu stören und sie legten mit ihrem sehr schnellen harten, von Alternative angehauchten Punk von 0 auf 100 los. Technisch spielten sie ihre Songs wirklich einwandfrei bis zu dem Moment als der “Atomsmasher” die Bühne betrat und mit dem Gesangsmikrophon-Ständer erstmal Luftgitarre spielte. Die Band nahm es mit Humor (“That was f***ing weird”) und lies das Festival würdig ausklingen.
Die etwas größere Gartenfete mit Live-Musik ist nun auch 2009 Geschichte und hinterlässt einen durchweg positiven Eindruck. Hier stimmt das Flair, die Preise und die Menschen. Wenn nächstes Jahr die Bandauswahl und der Termin auch wieder stimmt, werden wir auch wieder darüber gerne berichten.



12 Juni 2009 um 16:13
Schöner Artikel! Mehr davon!
15 Juni 2009 um 15:33
Danke für diesen tollen Bericht. Bis näxtes Jahr.