Berserker “Schattenwelten” – Review
Das im Frühjahr 2006 erschienene Album “Kein Blick Zurück” war für viele Fans bereits ein Hammer. Dominierende harte Riffs, schnelle und eingängige Songs und eine Geradlinigkeit, die dem Bandmotto “Stay Brutal” mehr als gerecht wurden. Ob das neue Album eine Fortsetzung bzw. ein Schritt nach vorne ist oder ob Berserker jetzt sanften Mainstream-Pop spielen könnt ihr im Review von DeutschRockt! erfahren.
Nur ein Tipp vorweg: die zweite Möglichkeit ist “ein wenig” unwahrscheinlich.

Die Lieder:
Was uns bewegt: “Wir sind eine Band, (…) die sagt was sie denkt”
Die Band reißt den Zuhörer direkt mit einem eingängigen Riff in die CD herein. Schröder steigt mit ganzer Kraft mit ein und der wirklich sehr eingängige Refrain lädt zum Mitgröhlen geradezu ein. Berserker geben sich hier gewohnt hart und direkt und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. . Dieses Intro passt perfekt zu Berserker, aber der Sound wirkt weitaus besser abgestimmt und komponiert als noch bei den alten Alben.
Diktator: “Meine Gier, sie kennt keine Grenzen”
Dieses Lied zeigt einen totalitären Diktator, dem sein Volk und das Wohl der Menschheit am Allerwertesten vorbei geht. Gier, Machtwahn und der Egoismus der herrschenden Schicht wird hier angeklagt. Die Brutalität in der Stimme und der drückende Bass-Sound gehen passend mit dem Text einher und die Botschaft kommt dadurch mit sehr hohem Druck aus den Boxen geradezu herausgeschmettert.
Attraktivität: “Man gibt doch nur preis, was man sieht”
Der Hass auf den Schein und Verlogenheit vieler Menschen steht hier deutlich im Mittelpunkt. Im ähnlich schnellen Tempo wie bem ersten Lied wird man schnellt, hart und kompromisslos mitgerissen.
Direkt ins Herz: “Falsche Liebe, falsche Taten, scheisse, tust du mir Leid!”
Ein recht zähes Riff beginnt und wird auch schon wieder schneller. Ein schneller Takt gibt den Ton an und der Refrain wird durch Schröders inbrünstigen Gesang getragen. Nach 2 Minuten eine Verschnaufpause, in der man ein Solo von Matze lauschen, die auf dieser CD häufiger auftreten und ein unverwechselbares Element in ihrer Musik sind. Die Abrechnung mit Oberflächlichkeit und ein Aufruf zur Aufrichtigkeit zeigen hier wieder die handfeste Moral.
Hört her: “Ja wir hassen Faschisten”
Es ist mittlerweile eins ehr leidiges Phänomen. Greift man auf alte skandinavische oder germanische Mythologie zurück, wird man in die rechte Ecke gedrängt. Um zu zeigen wo sie stehe, geben sie unmissverständlich zu verstehen, dass sie mit Nazis, Faschismus und Rechtsradikalismus nichts zu tun haben. Knallharte Riffs und ein schneller Bass verleihen dieser Nachricht einen großen Nachdruck.
Hertha BSC: “Hertha oh Hertha”
Tja, das hat man von Berserker noch nicht gehört und auch nicht vermutet. Ein Fußballlied. Wer die Platte noch nicht gehört hat fragt sich sicher wie der bandtypische Sound zu einem solchen Fansong passen soll. Sie betreten ein neues Ufer, welches sie doch recht gut meistern. Der Refrain bietet Hertha-Fans eine einfache und mitsingbare Melodie und der Text dürfte auch nicht so schwierig zu lernen sein. Obwohl das Lied nur Hertha-Fans ansprechen dürfte, so kann man sich es auch als Fan eines anderen Clubs mal anhören, auch wenn man Anhänger vom Derbygegner ist (Grüße aus der Lausitz an die Jungs).
Ich hab’s satt: “Habt ihr selber kein eigenes Leben?!”
Nach der Partylaune wird man direkt in den harten Berserkersound hinein getragen. Dieser Song ist eine Art Hymne für selbstständiges Leben und rechnet mit denen ab, die Steine in den Weg legen, und das gewohnt unverblümt und direkt.
Komm zurück: “Bitte komm zurück zu mir!”
Hier wird erst einmal auf die Bremse getreten. Sehr melancholische Gitarren definieren den Sound und Schröder singt mit einer klaren Stimme den Einstieg und wechselt dann, begleitet von härterer musikalischer Begleitung, in den Refrain und singt voller Leidenschaft die tragenden Zeilen “Bitte komm zurück zu mir!”. Zum Ende hin nimmt dann der harte Sound klar überhand und drückt die tiefe Sehnsucht nach einem verlorenen Menschen sehr authentisch aus. Dieses Lied geht wirklich sehr tief in die eigene Seele, vor allem wenn man selbst jemanden vermisst.
Mein Name ist Unglück: “Keine Gefühle ein eisiges Herz”
Mit, in den Strophen, leicht elektronisch klingender Stimme wird das Unglück nicht nur als dasselbige, sondern auch als “Lehrer des Lebens” präsentiert. Der Song ist fast schon schwerfällig und nicht so mitreißend wie beispielsweise “Was uns bewegt”, aber soll er wahrscheinlich auch nicht, da so der Kontext passender unterstrichen wird.
Auf Wiedersehen: “20 Jahre hinter euch, jetzt ist es gescheh’n”
Die Hymne auf die Böhsen Onkelz ist wohl das bekannteste Lied der Berliner und deshalb haben sie das alte Lied “aktualisiert”, wie sie es auch schon öfters live gespielt haben. Der besser passende Kontext, aber vor allem die weitaus bessere Soundqualität im Vergleich zum Original, dürfte viele Fans erfreuen.
Das Feuer in mir: “Im Kampf da liegt die Kraft”
War das nicht auch ein Songtitel von Kärbholz? Ja, und Berserker haben ein Cover davon nun auf CD gepresst. Sie haben dabei ihre eigene Note in diesen Ohrwurm eingebracht und so klingt es etwas “metallischer” als das Original und Schröders Stimme verleiht dem natürlich den Berserker-Stempel. Auf Konzerten könnte dies für eine gute Stimmung sorgen. Auf CD erfüllt es diesen Zweck schon.
Schattenwelten: “Herzlich willkommen in meiner Schattenwelt!”
Dieser Song hat dem Album dem Titel gegeben. Mit sehr bedrückender Stimmung wird das Leben in dieser Schattenwelt geschildert, der man nicht entkommt. Das Leben bringt viele Schwierigkeiten und wirft ebenso viele Fragen auf. Mit dieser Nachdenklichkeit endet das neue Album nach einer knappen dreiviertel Stunde.
Ausstattung:
Das Artwork wirkt wie eine Verzierung aus dem dunklen Mittelalter und ist in einem schlichten dunklen Ton gehalten. Das Booklet ist auch ohne überflüssige Schnörkel gestaltet und beinhaltet alle Texte sowie einige Konturbilder der Band und der einzelnen Mitglieder. Das Gesamtkonzept ist somit komplett anders als bei den vorherigen Alben und verdeutlicht den Fortschritt, den die Band gemacht hat und machen wird.
Fazit:
Dieses Album kann getrost Allen empfohlen werden, die von “Kein Blick zurück” schon gefesselt waren. Dieses Album ist ein guter Schritt nach vorne und der Sound klingt allgemein frischer und eben nicht ganz so wie das, was man von Berserker vorher schon kannte. Was geblieben ist, das ist der kompromisslose harte Klang, die Wut, das Authentische und ihr Motto “Stay Brutal” bzw. “Stay Berserker”.
Bewertung: 8,5/10 (Die Jungs haben klar gezeigt, was in ihnen Steckt und wohin ihr Weg geht. Wir, das DR-Team, sehen in dieser reifen Band noch sehr viel Potenzial und schätzen die Platte als eine weitere Stufe nach oben ein.)









Wirklich absolut geile Scheibe. Die Jungs haben “Kein Blick zurück” mit dem Album “Schattenwelten” mehr als nur getoppt.
Wirklich sehr empfehlenswert.
Sehr guter Bericht, dankeschön
Aber ein noch größeres Dankeschön geht an die Band!!
Hammer geiles Album, bekomm davon nicht genug!!
STAY BRUTAL, STAY BERSERKER