15 Jahre Bandworm – Das Festival

Gepostet als Aktuelles,Fotos,Konzertberichte am Dienstag 9 März 2010 um 20:12

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Samstag, der 6.3.2010 – der Winter kehrt wieder ein und Bandworm nähert sich mit seinem 15. Geburtstag unaufhaltsam der Volljährigkeit. Jedem Auswärtigen pranken die Schilder “Sachsen Anhalt – Willkommen im Land der Frühaufsteher” entgegen. Will man in so einem Bundesland wirklich feiern, wo man zu unchristlichen Uhrzeiten wieder aus dem Bett fliegt? Na sicher doch – wer richtig feiert verschläft auch jeden atomaren Weltkrieg. Aber so weit kam es dann doch nicht bei der Feier, auch wenn die Temperaturen in der Halle schon einem nuklearen Winter glichen. Aber hey – wer friert soll das Tanz- oder Pogobein schwingen.

Den ersten Anreiz dazu wollten FRÜHSTÜCKSPAUSE liefern. Mit lockerem Punkrock konnten sie zumindest einen guten Soundtrack für den Einlass und das erste Begehen der Halle liefern. Sehr viel ging da noch nicht, zumindes vor der Bühne, da musikalisch gesehen durchaus in Ordnung. Es folgten nun RAZORBLADE aus dem Lande unterhalb des Meeresspiegels. Sie brachten die erste Portion Oi an diesem Abend auf die Bühne. Schnell, hart und schlicht gehalten – so lässt sich ihr Sound gut beschreiben. Den für die Uhrzeit schon zahlreich anwesenden Fans gefiel es, aber es blieb noch bei einem Warmup-Charakter. Ihr Bestes gaben nun FOIERNACHT auf der kleineren Bühne. Auch hier wieder schneller Oi-Punk. Mit ihrem Debut-Album im Rücken (natürlich auf Bandworm Records erschienen), kämpften sie zusammen mit dem Publikum gegen die eisigen Temperaturen an. Am höchsten ging das Quecksilber im Thermometer dabei beim Onkelz-Cover “Danke für Nichts” und dem Kassierer-Song “Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist”.

Jetzt standen wieder erstmal Holländer auf der großen Bühne. DISCHARGER hatten da schon etwas mehr Erfolg als ihre Landsleute und haben ihr Set professionell gespielt. Mit der Stimmung der fröstelnden Zuschauer ging es so langsam bergauf. Das haben sich danach auch MESSERSTECHER HERZENSBRECHER zu Nutzen gemacht. Als Horro-Clowns geschminkt haben sie ihren megagroovigen Psychobilly unter die Leute gebracht. Mütze war mal wieder in Spitzenform und ist bei jedem Song voll dabei gewesen. Sowas überträgt sich natürlich auch aufs Publikum. Bei der nächsten Band stand nun etwas Besonders an. Frank, Gitarrist von ROTZ & WASSER, verabschiedete sich an diesem Abend von seinen Fans. Seinen Platz nahm nun Thomas ein nach dem Highlight des Gigs. Der Song “Freunde” markierte nicht nur Franks Abschied, sondern lies endgültig alle Dämme im Publikum brechen. Der Refrain wurde noch weit über den Song hinaus mitgesungen und auch später immer wieder angestimmt. Bei dem Song Cheers ist dann wohl ein Techniker über ein Kabel gestolpert. Auf jeden Fall fiel auf einmal die komplette Bühnenbeleuchtung aus. Egal – im Dunklen wurde noch zu Ende gespielt.

Bei GROBER KNÜPPEL war es zu Beginn auch noch dunkel. Wer die Jungs um Sänger Hazy aber kennt, weiß dass denen das sowas von egal ist. Hauptsache der Sound kracht und der Pogo fegt durch die Zuschauer. Mit bereits einigen neues Songs und ebenso neuen Gitarristen, haben sie eine Menge Leute vor die kleinere Bühne gezogen. Da wurde es schon richtig eng. Nun stand aber auch hoher Besuch aus Berlin an. Also nix wie ab zur großen Bühne, wo BERLINER WEISSE sich schon fertig machten. Aber Moment was steht da am Mikro? Ist es ein es eine Rakete? Ist es ein Flugzeug oder ist es Edmund Stoiber? Nein es ist Toifel im Superhelden Kostüm. Ein schnelles “Viva BW” den Leuten zu Beginn um die Ohren gehauen, ziehen sie einen wahnsinns Gig durch, der es in sich hat. “Nie wieder Jägermeister” und “Schlüpfer” zählen dabei zu den üblichen Oberhammern.

Den zweiten Besuch aus Südtirol nach Foiernacht gab es auf der kleinen Bühne jetzt mit UNANTASTBAR. Einen Wortwitz darüber was es an der Unantast-Bar denn zu trinken gäbe erspare ich mir an der Stelle. Musikalisch konnten sie bei ihrem Auftritt auf voller Länge überzeugen. “Freundschaft” und vor Allem “So ein Tag” sorgten für ordentlich Stimmung. Nun gab es wieder eine fette Portion Oi auf der Hauptbühne. SCHUSTERJUNGS legten von Anfang an los wie die Feuerwehr. Fast ohne Pause spielten sie einen Song nach dem Anderen und das übliche “ACAB” sorgte live wieder für ein richtiges Highlight.

Mit 9MM stand auf der kleinen Bühne nun eine Band, die in das Oi-Punk-Schema des Festivals wohl nicht so ganz rein passt. Auf jeden Fall war für ihre Verhältnisse relativ wenig los vor der kleinen Bühne. Aber die Leute, die da waren haben für eine super Feier gesorgt. Nicht nur bei “Dick und Durstig” ging es ordentlich ab. Bei “Dauerfeuer frei” gab es eine Wall of Death und ordentliches Pogo. Nach Ende ihres Auftritts eilten aber die Meisten direkt zur großen Bühne, da sich bereits PERKELE fertig machten. Noch während sie aufgebaut haben, hallten schon “Perkele, Perkele”-Chöre durch die Halle. Allerdings wurde bereits nach einigen Minuten der Auftritt durch eine gerissene Bass-Saite unterbrochen. Die Pause wurde allerdings gut überbrückt und so ging es auch schnell weiter. Alle Hits, die man erwarten konnte waren dabei und so gab es dann am Ende noch zwei Zugaben. “Heart Full Of Pride” schloss den Gig ab.

Nicht Wenige gingen nun nach Hause. Wohl, weil für Viele Perkele das Highlight des Abends war, aber sicher auch weil man im vorgesehenen Zeitplan fast eine Stund hinterher war. Ab jetzt haben nur noch die Harten weitergefeiert. Die ROUGHNECKS haben sich wieder ganz besonders geschmückt und ihren leicht humorös angehauchten Hardcore-Oi unter die Leute gebracht. Nix weltbewegendes, aber ein durch und durch solider Auftritt. Etwas mehr versprach da schon der Auftritt von KÄRBHOLZ, welche seit eh und je schon bei Bandworm/Asphalt zu Hause sind. Die Halle hatte sich zwar schon deutlich geleert, aber die Anwesenden wurden prächtig unterhalten. Mittlerweile schon drei Alben im Rücken, haben sie auch das musikalische Repertoire, um ordentlich zu rocken. Das haben sie auch gemacht und mit “Mein Weg” sich verabschiedet.

Nun war es schon 3 Uhr durch – laut Plan sollte seit 15 Minuten die letzte Band gespielt haben. SCHARMÜTZEL haben nichtsdestotrotz so lange ausgeharrt und direkt mit “Forward Into War” von ihrem neuen Album den Zuschauern die letzten Reserven entlockt. Mein persönliches Highlight war “Blut”, insbesondere mit Widmung für die Schreiberlinge von Oireszene, welche es sich natürlich wieder nicht haben nehmen lassen “Werbung” für die Veranstaltung zu machen. Mal ehrlich wer hier noch von Grauzone spricht, hat sie einfach nicht mehr alle. Niemand hat hier irgendwelchen Anlass gegeben, dass man sagen könnte hier seien rechte Spinner erwünscht. Ganz im Gegenteil. Es waren teils eher links orientierte Punks mit beim Feiern und mein Alarmsignal-Pullover (Rückendruck “Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg”) erntete auch nur positiv bewertende Kommentare.

Wenn ich euch Denunzianten einen Tipp geben kann. Schreibt ruhig weiter gegen alle wirklich rechtsextremen und -offenen Bands, da habt ihr unseren Segen. Wer aber versucht eine ganze Reihe von unbescholtenen Bands, in eine rechte Ecke drängen zu wollen, der macht seine Arbeit vergebens. Wir wissen wo die sogenannten “Grauzone”-Bands stehen und keiner lässt sich hier vorwerfen für irgendwelches extremistisches Gedankengut eine offene Türe zu haben. Sucht euch bitte ein anderes Hobby…

So das musste jetzt erstmal sein. THE STARTS, welche das Festival abschließen sollten, konnte ich dann leider nicht mehr sehen, da es durch die enorme Verzögerung dann doch zu spät wurde und ich noch wenigstens ein paar Stündchen schlaf brauchte bevor ich mein gebuchtes Pensionszimmer verlassen muss. Den Veranstaltern muss man zu Gute halten, dass wie versprochen der Einlass super funktionierte. Die deutlich unterkühlte Halle, wo es an einigen Stellen von der Decke tropfte und das vollkommen überladene Programm mit oftmals viel zu kurz angesetzten Spielzeiten sind da aber für nächstes Jahr noch Punkte, die es zu verbessern gilt.

Nichtsdestotrotz war es eine super Feier, die wir uns von keinem vermiesen lassen. Die Kälte trinkt man sich weg und Spinner die meinen allen Bands und Besuchern ans Bein pinkeln zu wollen, werden mit einem schallenden Gelächter links liegen gelassen.

Wir sind auch nächstes Jahr wieder da.

Lausitzrocker für DR

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